Neue Stromtarife in Vorarlberg – wann lohnt der Umstieg?

Was die neuen Stromtarife in Vorarlberg mit sich bringen und wie Sie herausfinden, ob sich der Umstieg auf einen flexiblen Tarif für Sie lohnt, das erfahren Sie in diesem Beitrag.

Gesetzgeber und Regulierungsbehörden haben die Grundlagen für neue Stromtarife geschaffen. So wurde die klassische Tag-/Nacht-Schaltung aufgehoben und ein neues Zeitfenster für vergünstigte Stromtarife und Netzgebühren geschaffen.

Statt wie bisher zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr in der Früh gilt der Niedertarif (NT, früher „Nachtstrom“) nun von April bis Ende September täglich zwischen 10 und 16 Uhr. Dann nämlich, wenn viel günstiger PV-Strom im Netz ist. In der übrigen Zeit gilt der Hochtarif (HT, früher: „Tagstrom“). 

Außerdem sind Energieversorger verpflichtet, dynamische Stromtarife anzubieten, die aktuelle Börsenpreise mehr oder weniger direkt an die Kunden weitergeben.


Übrigens: Warum jetzt Mittag der neue Nachtstrom ist, das finden Sie am Ende dieser Seite heraus.

Was bedeutet das in Vorarlberg?

Die allermeisten Haushalte in Vorarlberg beziehen ihren Strom vom landeseigenen Energieversorger, der illwerke vkw (Kundinnen und Kunden der Stadtwerke Feldkirch: siehe weiter unten). Diese bietet drei neue Tarife an:

  1. Duo
  2. Flex
  3. Dynamisch

„Duo“ ist dabei der neue HT/NT-Tarif, sprich: es gibt einen niedrigen und einen geringfügig höheren Tarif, je nachdem, wann der Strom bezogen wird. Nur dass der vergünstigte Tarif eben nicht mehr in der Nacht gilt, sondern tagsüber im Sommerhalbjahr. Er wird ziemlich sicher der klassische neue Standardtarif in Vorarlberg werden.

Bei „Flex“ und „Dynamisch“ werden die Strompreise näher am Markt geführt, sprich: die Kunden zahlen mehr für den Strom, wenn er von der illwerke vkw teurer eingekauft werden muss, und weniger, wenn er am Markt billiger ist. Das kann zu sehr (!) günstigen Strompreisen tagsüber im Sommer führen, dafür kostet die Kilowattstunde an einem Winterabend entsprechend mehr.

„Flex“ ist dabei eine Mischung aus dynamischem und dennoch absehbarem Tarif, der sich monatlich ändert. „Dynamisch“ bedeutet, dass tatsächlich und viertelstundengenau Marktpreise plus einen kleinen Aufschlag verrechnet werden.

Alle Tarife gibt es auch als Ökostrom-Variante.

Alle neuen Tarife der illwerke vkw gibt's auch als Ökostromtarif, mit dem der Ausbau von Ökostrom in Vorarlberg zusätzlich gefördert wird.

Wann lohnt sich der Umstieg auf „Duo“?

Mit dem Ende des Tag-/Nacht-Tarifs wurden die Kunden auf einen Standardtarif umgestellt, der über 24 Stunden und 365 Tage im Jahr gleich viel kostet. Ein Wechsel ist derzeit nicht zwingend erforderlich. In den meisten Fällen lohnt er sich aber trotzdem. Denn ab einem Verbrauch von rund 2.000 kWh pro Jahr kann der neue Tarif „Duo“ von der illwerke vkw günstiger sein als der Bestandstarif.

Warum ab 2.000 kWh? Mit dem Wechsel auf „Duo“ sinken die Preise für den verbrauchten Strom gegenüber dem Standardtarif, aber die Grundgebühr steigt etwas an. Bei sehr niedrigen Verbräuchen schlägt dann die höhere Grundgebühr stärker ins Gewicht als der niedrigere Preis für den verbrauchten Strom.

Wann kommt ein flexibler Tarif in Frage ("Flex"/"Dynamisch")?

Wer technisch affin ist und über verschiebbare Lasten verfügt, könnte mit einem flexiblen Tarif glücklich werden. Was sind verschiebbare Lasten? Das sind nennenswerte Verbräuche (z. B. die Wärmepumpe, die Warmwasserbereitung, das Laden des Elektroautos oder ein Stromspeicher), die zeitlich flexibel über den Tag verteilt werden können. Warum?

Beim flexiblen Viertelstundentarif „Dynamisch“ ist der Strom meistens am Abend zwischen 18 und 21 Uhr am teuersten und vom späten Vormittag bis am Nachmittag am günstigsten. Ist tagsüber niemand zu Hause und die ganze Familie trifft sich um 19 Uhr zum frisch gekochten Abendessen, fällt in dieser Zeit ein hoher Strombedarf an, der nicht ohne weiteres verschoben werden kann.

Markus Gmeiner
Ein Elektroauto kann eine nennenswerte verschiebbare Last darstellen.

Auch ein Elektroauto kann nur dann zu einer beliebigen Zeit geladen werden, wenn es möglichst viel zuhause an der Wallbox hängt. Je enger und unflexibler die Zeitfenster für solche Anwendungen im persönlichen Alltag sind (und womöglich liegen sie noch in Zeiten höherer Strompreise), umso weniger bietet sich ein flexibler Tarif an.

Und warum „technisch affin“? Alle Vorzüge flexibler Tarife nützt man dann aus, wenn stromintensive Anwendungen automatisiert gesteuert in Phasen niedriger Tarife fallen. Schließlich will niemand mittags in den Keller rennen, den Boiler einschalten und das Elektroauto anstecken, um dann am Nachmittag rechtzeitig wieder alles abzuhängen.

Derzeit gibt es aber praktisch keine Lösung von der Stange, die das bewerkstelligt. Sprich: Man kann das automatisieren, dafür braucht’s aber ein paar einschlägige Kenntnisse - oder die Beauftragung einer Fachfirma (z. B. aus den Partnerbetrieben Traumhaus Althaus).

Angepasste Tarife in Feldkirch

In Feldkirch versorgen die Stadtwerke künftig mit drei Tarifen: Dem Tarif „Neo“ (anlog zum „Duo“ der illwerke vkw), dem Tarif „Trio“ (Kombination aus dem günstigen Sommerstrom und dem klassischen Tag-/Nachtstrom) und „Vario“ (analog zum dynamischen Tarif der illwerke vkw).


Und hier finden Sie alle Details zu den Tarifen der illwerke vkw und der Stadtwerke Feldkirch.

Mittags ist der neue Nachtstrom

Die neuen Tarife bringen jedenfalls eine Veränderung mit sich: Strom ist dann billiger, wenn (höchstwahrscheinlich) die Sonne scheint. Also über die Mittagsstunden im Sommerhalbjahr. Denn neben den vergünstigten Preisen für den Bezug von Energie fallen auch die Netzkosten geringer aus (Sie erinnern sich: Ihre Stromkosten setzen sich aus den Kosten für die Energie selbst und die Kosten für das Netz zusammen).

Das, weil vom 1. April bis zum 30. September jeweils zwischen 10 und 16 Uhr der "SNAP" gilt - der "Sommer-Nieder-Arbeits-Preis". Er reduziert einen Teil der Netzkosten um 20 % und muss von allen Netzbetreibern automatisch berücksichtigt werden. Vorausgesetzt der Smart-Meter darf Viertelstundenwerte an den Netzbetreiber übermitteln. Wie Sie das einstellen, finden Sie auf der Website von Vorarlberg Netz bzw. illwerke vkw heraus. Mehr Infos zum SNAP finden Sie hier

SNAP und die neuen Tarife der Vorarlberger Stromlieferanten bringen vor allem in Bezug auf die frühere Nachtstromnutzung Erleichterungen, weil Lasten für Alltagsanwendungen von der Nacht in den Tag verschoben werden können (Geschirrspüler, Waschmaschine usf.). Welche Anpassungen die illwerke vkw automatisch für Sie vornimmt (z. B. Schaltzeiten für Warmwasserboiler oder Nachtspeicherheizungen), können Sie hier nachlesen.

veröffentlicht 11.05.2026