Strom und Wärme flexibel denken - Rückblick auf das 13. Fachforum Strom & Wärme

Das 13. „Fachforum Strom & Wärme“ zeigte, wie Gebäude künftig effizienter, sicherer und flexibler mit Energie umgehen können. Von Wärmepumpen im Bestand bis zu dynamischen Stromtarifen und PV-Anlagen.

Stefan Veit, TÜV Süd

Speicher sicher betreiben

Stefan Veit vom TÜV Süd bezeichnete Batteriespeicher als „Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts“. Gleichzeitig machte er deutlich, dass ihr sicherer Betrieb einen ganzheitlichen Blick braucht: von der Planung über Brandschutz und Schutzkonzepte bis hin zu Wartung und laufender Prüfung. Entscheidend sei, Speicher nicht als Einzelgerät zu betrachten, sondern als Teil eines Systems aus PV-Anlage, Gebäude, Ladeinfrastruktur und Betrieb. Im Brandfall müsse es zudem darum gehen, Ereignisse möglichst auf den betroffenen Raum zu begrenzen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor sei dabei, Zuständigkeiten und Schnittstellen klar zu regeln.

Joshua Bächle, Fachhochschule Ostschweiz

Keine Panik bei PV-Anlagen

Joshua Bächle von der Ostschweizer Fachhochschule hat sich mit der Frage beschäftigt, wie flexible Strompreise die Planung von PV-Anlagen beeinflussen können. Untersucht wurden unterschiedliche Ausrichtungen, Neigungen, Tarifmodelle, Abregelungen und Batteriespeicher. Das Ergebnis: Eigenverbrauch bleibt auch bei dynamischen Tarifen der zentrale Hebel für Wirtschaftlichkeit. Eine stärkere Winterstromoptimierung kann wirtschaftliche Einbußen zwar teilweise verringern, aus rein wirtschaftlicher Sicht bleibt die Südausrichtung jedoch weiterhin am attraktivsten. Batteriespeicher können wirtschaftlich sein, sind aber stark von Kosten, Betriebsstrategie und Ladezyklen abhängig.

Constanze Bongs, Hochschule Karlsruhe

Wärmepumpen im Bestand richtig planen

Constanze Bongs von der Hochschule Karlsruhe zeigte, dass Wärmepumpen auch im Gebäudebestand gut funktionieren können, wenn sie passend dimensioniert werden. Eine zu große Auslegung kann Kosten erhöhen, häufiges Takten verursachen und die Lebensdauer verkürzen. Wichtig sind daher eine sorgfältige Heizlastberechnung, passende Systemtemperaturen, ein geeignetes Hydraulikkonzept und gegebenenfalls ein gezielter Heizkörpertausch.

Jakob Metz, ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung

Jakob Metz vom ifeu stellte anschließend den „Gebäudecheck Wärmepumpe“ vor. Das kostenlose Online-Tool hilft Eigentümer*innen und Fachleuten, vorab einzuschätzen, ob ein Gebäude grundsätzlich für eine Wärmepumpe geeignet ist. Es kann auch außerhalb Deutschlands genutzt werden, also etwa in Österreich oder der Schweiz, ersetzt aber keine detaillierte Fachplanung (zum Tool geht's hier). Entscheidend ist dabei vor allem die Vorlauftemperatur: Je niedriger sie ausfallen kann, desto effizienter arbeitet die Anlage. Metz zeigte, dass dafür oft nicht das ganze Gebäude umgebaut werden muss. Schon der gezielte Tausch einzelner Heizkörper kann die Effizienz deutlich verbessern.

Alexander Bär, illwerke vkw

Strommarkt im Wandel

Alexander Bär leitet das Produktmanagement bei der illwerke vkw und zeigte, wie der Ausbau erneuerbarer Energien den Strommarkt verändert. Vor allem der starke PV-Ausbau bringt mehr Stromüberschüsse und stärkere Schwankungen ins System. Deshalb werden Netze, Speicher, Einspeiseregelungen und flexible Verbraucher wichtiger. Gleichzeitig verschieben sich die Zeiten günstigen Stroms zunehmend in den Tag, besonders im Sommer, wenn viel PV-Strom verfügbar ist. Neue Stromprodukte wie „Strom Duo“ sollen Anreize schaffen, Strom dann zu nutzen, wenn viel erneuerbare Energie im Netz ist.

Armin Knotzer, AEE INTEC

Gebäude als flexible Bausteine

Armin Knotzer von AEE INTEC machte deutlich, dass Gebäude künftig stärker auf das Energieangebot reagieren müssen. Energie-flexible Gebäude können Verbrauch verschieben, Speicher nutzen und damit helfen, erneuerbaren Strom besser ins System zu integrieren. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Nutzer-, Planer- und Betreiber*innen. Der sogenannte Smart Readiness Indicator soll künftig bewerten, wie gut ein Gebäude technisch für intelligente Steuerung, Flexibilität und netzdienlichen Betrieb vorbereitet ist.

Walter Becke, AEE INTEC

Bauteile speichern Wärme und Kälte

Wie diese Flexibilität praktisch aussehen kann, zeigte Walter Becke, ebenfalls von AEE INTEC, am Beispiel der Bauteilaktivierung. Dabei werden ohnehin vorhandene Bauteile wie Beton, Bestandswände oder Massivholz als Wärme- oder Kälteabgabeflächen genutzt. Die thermisch träge Masse kann Lastspitzen glätten, Erzeugungsspitzen speichern und gleichzeitig für stabile Raumtemperaturen sorgen. Besonders spannend ist das große Speicherpotenzial: Bauteilaktivierung kann in Gebäuden ähnlich wie ein großer Pufferspeicher wirken. Noch wird dieses Potenzial jedoch aufgrund technischer und regulatorischer Hürden kaum genutzt.

Bausteine eines flexiblen Energiesystems

Das Fachforum machte deutlich: Die Energiewende im Gebäudebereich besteht nicht aus einer einzelnen Lösung. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus sicheren Speichern, gut geplanten Wärmepumpen, flexiblen Stromtarifen und Gebäuden, die Energie nicht nur verbrauchen, sondern künftig auch speichern und verschieben können. Strom und Wärme wachsen damit immer enger zusammen, und Gebäude werden zu aktiven Bausteinen eines flexibleren Energiesystems.


Das nächste Fachforum Strom & Wärme findet im Herbst 2026 statt. Sobald der genaue Termin feststeht, finden Sie ihn in unserem Veranstaltungskalender. Oder Sie abonnieren am Ende dieser Seite unseren Newsletter, dann verpassen Sie den Termin unter Garantie nicht.

Dipl.-Ing. (FH) Michael Braun M.Sc. MBA

Energieberatung und Gebäudetechnik
T +43 5572 31 202 - 97
veröffentlicht 11.05.2026