Beim Heizungstausch auch an die Gebäudehülle denken

Die thermische Gebäudehülle - dazu gehören Außenwände, Fenster, Außentüren, Dach, Kellerdecke - hat großen Einfluss auf den Energieverbrauch und damit auch auf den Heizwärmebedarf. Daher ist es wichtig, sich beim Umstieg auf ein neues Heizsystem Gedanken über ihre Qualität zu machen.

Markus Gmeiner
Sanierung eines klassischen Wohnhauses aus den 30ern in Bregenz.

Zur Gebäudehülle zählen alle Bauteile, die das Haus gegenüber der unbeheizten Umgebung abgrenzen. Grundsätzlich empfehlen wir, die Hülle thermisch zu sanieren, bevor die Heizung getauscht wird. Das kann durch Einzelmaßnahmen, wie den Tausch von Fenstern, die Dämmung der obersten Geschoßdecke sowie die Verbesserung der Außenwände geschehen. Oder im Rahmen einer gesamthaften Sanierung, vielleicht sogar mit dem nachträglichen Einbau einer Komfortlüftung.

Warum aber ist das empfehlenswert? Zwei Gründe:

Erstens: weniger Leistung bedeutet weniger Kosten

Ein neues Heizsystem in einem sanierten Gebäude kann wesentlich kleiner dimensioniert werden. Am meisten wirkt sich das bei Solewärmepumpen aus, weil die Tiefenbohrung deutlich geringer und damit entsprechend günstiger ausfällt.

Zweitens: Überdimensionierte Systeme laufen nicht effizient

Wird zuerst die Heizung getauscht und später thermisch saniert, ist das Heizsystem meist überdimensioniert. Das führt zu ungünstigen Betriebszuständen (häufiges An- und Abschalten beispielsweise) und wirkt sich negativ auf die Effizienz und die Lebensdauer der Heizung aus.

"Machen Sie sich beim Heizungstausch im unsanierten Bestandsgebäude bitte immer auch Gedanken über eine mögliche Sanierung. Unsere Energieberater*innen helfen Ihnen dabei produktneutral und maßgeschneidert."
Michael Braun, Bereichsleiter Energieberatung und Haustechnik im Energieinstitut Vorarlberg

Drei Tipps, wenn die Heizung vor einer (in absehbarer Zeit anstehenden) Sanierung getauscht werden muss:

Ist die Heizung am Ende ihrer Lebensdauer angelangt und muss getauscht werden, noch bevor das Gebäude energetisch saniert wird, helfen diese drei Tipps, unnötige Kosten zu vermeiden:

  1. Wählen Sie die neue Heizung so, dass sie ihre Leistung möglichst stufenlos regeln kann. Dabei soll die höchste Stufe gerade eben ausreichen, um das noch unsanierte Gebäude zu beheizen.
  2. Lassen Sie zusätzliche Komponenten wie Pumpen oder Speicher so dimensionieren, dass sie den zukünftigen Anforderungen genügen.
  3. Steht die Sanierung unmittelbar bevor und ist eine Sole-Wasser-Wärmepumpe geplant, kann die Tiefenbohrung auf die künftige Heizleistung angepasst und die fehlende Heizleistung zwischenzeitlich über eine Elektro-Zusatzheizung bereitgestellt werden. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn die Sanierungsplanung fortgeschritten und der künftige Energiebedarf bereits bekannt ist, spart aber mitunter mehrere tausend Euro ein.

Unsere Energieberater*innen helfen Ihnen bei der Entscheidungsfindung. Und zwar produktneutral und auf Ihren speziellen Bedarf abgestimmt. Unsere "Raus aus Öl"-Beratung ist kostenlos, weil das Land den Selbstbehalt übernimmt. Zur "Raus aus Öl"-Beratung gelangen Sie hier.

Raus aus Öl-Beispiel Hotel Gasthof Lamm in Bregenz. Bildnachweis: Energieinstitut Vorarlberg/Markus Gmeiner
Energieinstitut Vorarlberg, Heizung, Gasthof, Lamm, Bregenz

Praxisbeispiel: Wenn Öl nach der Sanierung nicht mehr passt

Als Peter Schenk das Gästehaus seines Hotels sanierte, stand die alte Ölheizung nicht mehr gut zu Gesicht. Denn schon ein paar Jahre zuvor setzte der Gastwirt im Haupthaus auf ein kluges Heizsystem.

Effizient, zuverlässig und sorgenfrei sollte sie sein, die Alternative. Und möglichst wenig Platz verbrauchen. Die Nutzung der Sonnenenergie rückte bald in den Fokus und die Wahl fiel schlussendlich auf eine große thermische Solaranlage mit einer Gasheizung zur Abdeckung von Spitzenlasten und solarertragsarmen Zeiträumen.

"Effizient, zuverlässig, platzsparend. Und soviel wie möglich solar. Das war am Ende die Anforderung an die Alternative zur alten Ölheizung."
Peter Schenk, Hotel Gasthof Lamm, Bregenz

Persönlicher Tipp zur neuen Heizung

Mit dem Installateur des Vertrauens machbare Varianten zu prüfen, empfiehlt Peter Schenk aus seinem Erfahrungsschatz. Mehrere Systeme intelligent miteinander zu kombinieren, findet er faszinierend. Im Haupthaus sind das eine Erdwärmepumpe mit Solaranlage und Wärmerückgewinnung aus Abluft und Klimatechnik. Und im Gästehaus eben eine Gasheizung mit einer großen Solaranlage.

Peter Schenk hat der Ölheizung im Zuge einer Sanierung den Laufpass gegeben und setzt auf das schlaue Zusammenspiel von Sonne und Gas.

Wenn Sie in einer ähnlichen Situation sind

  • Die Heizung im Zuge einer Sanierung zu tauschen, macht am meisten Sinn. So kann sie ideal an die neuen Voraussetzungen angepasst werden.
  • Sinken Energieverbrauch, Leistungsbedarf und die erforderliche Vorlauftemperatur im Zuge einer Sanierung, ermöglicht das neue Varianten wie Kachelofen-Ganzhausheizungen, hocheffiziente Wärmepumpen oder hohe solare Deckungsgrade.
  • Installateure und Energieberatung helfen dabei, erst einmal die möglichen Varianten zu identifizieren, um dann die optimale herauszufinden.

Unsere Energierberater helfen Ihnen bei der Entscheidungsfindung. Und zwar produktneutral und auf Ihren speziellen Bedarf abgestimmt. Unsere "Raus aus Öl"-Beratung ist seit März 2019 für Ratsuchende, die eine Öl-, Gas- oder Stromdirektheizung ausgetauschen, kostenlos. Voraussetzung ist, dass die Beratung VOR der Umsetzung von Maßnahmen bzw. der Beauftragung eines Fachbetriebs erfolgt. Das Land übernimmt dann den Selbstbehalt. Zur "Raus aus Öl"-Beratung gelangen Sie hier.

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Energieberatung und Gebäudetechnik
T +43 5572 31 202 - 112
veröffentlicht 28.02.2019 , zuletzt geändert 29.04.2026