Wenn alte Mauern neue Geschichten erzählen
Die beiden Partnerbetriebe i+R als Generalunternehmer und sto Ges.m.b.H. luden die Partnerbetriebe zur Exkursion – und die Wahl des Ortes war keine zufällige: das Haus Pöstle, Marktstraße 16 in Dornbirn. Ein Gebäude, das seit 1853 an einem zentralen Punkt der Stadt steht und bald zeigen wird, was verantwortungsvoller Umgang mit Bestand bedeutet.
Ein Haus mit Gedächtnis
Wer in der Dornbirner Marktstraße steht, blickt auf ein Stück Stadtgeschichte. Das Haus Pöstle wurde in den 1850er Jahren in der für Vorarlberg typischen Strickbauweise errichtet. Erstmals urkundlich erwähnt 1853, diente es zunächst als erstes Postgebäude der Stadt, bevor es zur „Postschenke" mit Stallungen im Erdgeschoss und Stuben darüber wurde. Ab 1869 führte es das Leben als Weinstube unter dem Namen „Alte Post" weiter.
In den Jahrzehnten danach wurde das Haus mehrfach erweitert und umgebaut – Anbauten in den 1930er- und 1980er-Jahren, neue Fenster, ein neuer Dachstuhl, ein rückseitiges Stiegenhaus. Das Erdgeschoss blieb Handelsfläche, die Obergeschosse wurden als Wohnungen genutzt. Kurz: ein Haus, das gelebt hat.
Was der Rückbau sichtbar machte
Der Ausgangspunkt der aktuellen Maßnahmen war für das Generalunternehmer und Partnerbetrieb i+R überschaubar: Nach dem Auszug von Mietern im Erdgeschoss und im Dachgeschoss sollten die Geschäftseinheit sowie die Dachgeschosswohnung saniert werden. Doch als die Oberflächen abgetragen wurden, zeigte sich, was Jahrzehnte verborgen geblieben war.
Die Liste der Schäden war lang:
- Im Sockelbereich des Erdgeschosses fehlten Abdichtungen vollständig. Holzbalken und Stahlträger – die tragende Konstruktion – waren teils morsch, teils weggefault, teils gänzlich nicht mehr vorhanden. Die Stahlträger einer historischen Preußischen Kappendecke im Untergeschoss waren weggerostet.
- Im Bereich der Deckenanschlüsse im Erdgeschoss fanden sich Wärmebrücken und verfaulte Auflager. Als Auflager für Deckenbalken hatten einst Eisenbahnschwellen gedient – auch sie waren nicht mehr tragfähig.
- Im Dachgeschoss fehlte die Abdichtung im Bad, die Tragkonstruktion war morsch, und in der Dachdämmung hatte sich Schimmel gebildet – Folge einer fehlenden Dampfbremse.
Das war der Moment, an dem Bauherrschaft und Projektteam gemeinsam eine Entscheidung trafen: Die laufenden Mietverträge wurden nicht verlängert, bestehende Mieter umquartiert. Erst dann – mit dem vollständigen Auszug aller Parteien – konnte die eigentliche, ganzheitliche und notwendige Baumaßnahme in ihrem vollen Umfang beginnen. Für die Fassadensanierung wurde Partnerbetrieb sto als Experte zur Fassadensanierung hinzugeholt.
Erhalten, was erhaltenswert ist
Das Haus Pöstle steht nicht unter Denkmalschutz. Technisch wäre ein Abriss eine Option gewesen. Dennoch war das nicht die Antwort, die i+R und die Bauherrschaft gesucht haben.
Das Ziel war klar formuliert: das Erscheinungsbild bewahren, die Substanz ertüchtigen, das Gebäude fit für die nächsten Jahrzehnte machen. Das bedeutet in der Praxis ein sorgfältiges Abwägen – was lässt sich erhalten, was muss erneuert werden, und wie gelingt beides, ohne das Gesicht des Hauses zu verändern?
Hülle und Konstruktion
Die bestehende Strickkonstruktion – der historische Holzmauerwerks-Kern des Gebäudes – wird durch eine Kreuzlattung an der Außenfassade ausgesteift und damit langfristig gesichert. Die thermische Sanierung der Fassade erfolgt von außen: Im Erdgeschossbereich kommt ein verputztes Wärmedämmverbundsystem mit gefrästen EPS-Platten zum Einsatz, das die historische Sockelstruktur wieder lesbar macht. An der restlichen Fassade werden Holzweichfaser-Dämmplatten auf der Holzkonstruktion montiert – ein diffusionsoffenes System, das zum Charakter des Holzgebäudes passt. Das Dach wird von innen gedämmt, die Eindeckung erneuert. So bleiben Traufe und First – die prägende Silhouette des Hauses – von außen unverändert.
Tragwerk und Haustechnik
Wo die alte Konstruktion nicht mehr zu retten war, wird neu gebaut: neue Fundamente, Bodenplatten und Betondecken im Untergeschoss und Erdgeschoss, neue Wand- und Ständerkonstruktionen in den Obergeschossen. Neue Fenster und Türen, neue Fensterläden aus Aluminium – die sich optisch bewusst am Bestand orientieren.
Die gesamte Haustechnik wird erneuert: Wärmeerzeugung über einen Nahwärmeanschluss, Fußbodenheizung in allen Bereichen, neue Sanitär- und Elektroinstallationen inklusive Brandmelder und Brandabschnitte.
Das Ergebnis: Nutzung mit Zukunft
Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, entstehen sieben Wohnungen in den Obergeschossen und dem Dachgeschoss. Das Erdgeschoss bleibt Handelsfläche – und wird sogar vergrößert. Ein Haus, das die Marktstraße seit über 170 Jahren prägt, bekommt damit eine neue Zukunft – ohne seine Vergangenheit zu verleugnen.
"Für uns war die Exkursion eine Gelegenheit, den Partnerbetrieben zu zeigen, was Bestandssanierung im Alltag bedeutet: nicht Rückbau um seiner selbst willen, nicht Neubau auf Teufel komm raus – sondern das handwerkliche und planerische Gespür dafür, was ein Gebäude noch kann, und was es braucht, um es dauerhaft zu erhalten"
Aleksandar Jeremic und Martin Epp (i+R Bestandsbau)
"Solche Sanierungen stellen auch für uns immer wieder eine besondere Herausforderung dar – technisch wie gestalterisch. Umso mehr freut es uns, wenn ein Gebäude mit Geschichte seinen Charakter bewahren kann und zugleich in neuem Glanz erstrahlt."
Gerard Kathan und Dominik Nachbaur (sto)
Factbox Fassadensanierung von sto Ges.m.b.H.
- Farbkonzept von StoDesign Studio in Villach entwickelt, als Basis für die Fassadengestaltung und Sanierung
- Ziel der Umsetzung: Übernahme und Integration charakteristischer architektonischer Elemente des Bestands in die neue Fassade
- Erdgeschoss-Fassade: WDVS-Fassade mit Bossennuten. Leicht vorspringender Sockel
- Fensterbereich: Erhabene Profile aus Verolith rund um die Fenster im Erdgeschoss. Neuentwicklung der Fassadengliederung unter Beibehaltung des Bestands.
- Obergeschoss-Übergang: Umlaufendes Gurtgesims aus Verolith als gestalterischer Übergang.
- Fensterbänke im Erdgeschoss: Massive Ausführung in Glasfaserbeton.
- Das Konzept kombiniert traditionelle Fassadenelemente mit modernen Materialien und Details, um das ursprüngliche architektonische Bild zu bewahren und gleichzeitig eine zeitgemäße Ästhetik zu schaffen.
Vielen Dank an unsere Partnerbetriebe i+R und sto für die Möglichkeit der Besichtigung und die vielfältigen und spannenden Informationen vor Ort! Hier erfahren Sie mehr über das Netzwerk Partnerbetrieb Traumhaus Althaus.










