Drei Wege zur Sanierung von Mehrwohnungshäusern
Energetische Sanierungen sind am wirtschaftlichsten, wenn sie mit ohnehin notwendigen Modernisierungen, wie etwa der Behebung von Schäden oder der Verschönerung des Erscheinungsbildes, kombiniert werden. Wir beleuchten im Folgenden wesentliche Aspekte, die bei der energetischen Sanierung von Mehrwohnungshäusern eine Rolle spielen.
Ausgangslage
Rund 51 Prozent der österreichischen Bevölkerung leben in Gebäuden mit mehr als drei Wohnungen – mit steigender Tendenz. Viele dieser Gebäude stammen aus den 1950er- bis 1970er-Jahren, sind energetisch unsaniert und haben einen hohen Heizwärmebedarf sowie ineffiziente fossile Heizsysteme – entsprechend groß ist hier das Potenzial für wirksame Sanierungen.
Gleichzeitig ermöglichen größere Gebäudebestände kosteneffiziente Investitionen durch Skaleneffekte, und bestehende Siedlungsstrukturen bieten gute Voraussetzungen für die Einbindung in Fern- und Nahwärmenetze.

Energetische Sanierungen von Mehrwohnungshäusern werden in der Praxis selten „aus freiem Antrieb“ initiiert, sondern werden meist durch konkrete Anlässe ausgelöst. Zu den typischen Auslösern für Sanierungsmaßnahmen zählen:
- der Ersatz oder die Modernisierung des Wärmeerzeugers,
- die Instandsetzung bzw. energetische Sanierung der Gebäudehülle,
- eine bauliche und qualitative Aufwertung des Gebäudes.
Diese drei Auslöser – Wärmeerzeugertausch, Hüllinstandhaltung und strategische Modernisierung – bilden den strukturellen Rahmen der vorliegenden Planungshinweise. Sie zeigen, an welchen Entscheidungspunkten im Lebenszyklus eines Mehrwohnungshauses die Weichen für eine klimaneutrale und wirtschaftlich tragfähige Zukunft gestellt werden können.
Ein Beitrag zur Entscheidungsfindung für Eigentümerinnen und Eigentümer, Halter größerer Bestände sowie Architektur- und Fachplanungsbüros, die Sanierungsprojekte systematisch, wirtschaftlich nachhaltig und klimaverträglich realisieren möchten.
Impulsgeber für die energetische Sanierung
Im Mehrwohnungshaus muss der Wärmeerzeuger ersetzt werden. Was ist sinnvoll?
Die Wahl der optimalen erneuerbaren Wärmeversorgung erfordert eine sorgfältige technische und wirtschaftliche Abwägung.
Die Gebäudehülle muss saniert werden. Wie geht man vor?
Wer ohnehin Fassade, Dach, Fenster oder Türen erneuert, sollte die Chance für eine thermische Sanierung nutzen. So lassen sich mit vergleichsweise geringem Mehraufwand Energieverbrauch, Komfort und Gebäudeschutz nachhaltig verbessern.
Wie bleibt ein Mehrwohnungsgebäude langfristig werthaltig und attraktiv?
Hohe Energiekosten, Feuchte- und Schimmelschäden oder geplante Aufstockungen sind oft der richtige Anlass für eine umfassende energetische Sanierung. Sie verbessert nicht nur Komfort und Vermietbarkeit, sondern schafft auch die Grundlage für eine wirtschaftliche und klimafitte Weiterentwicklung von Mehrwohnungsgebäuden.
Die Planungsempfehlungen wurden von 2023 bis 2025 in den Forschungsprojekten
SüdSan und PhaseOut erarbeitet, die im Rahmen der 8. Ausschreibung des Programms „Stadt der Zukunft“ des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur gefördert wurden. Sie beinhalten Erkenntnisse aus beiden Projekten sowie aus anderen modellhaften Sanierungsvorhaben. Darüber hinaus wurde das Projekt SüdSan vom Land Vorarlberg unterstützt.
